Presse
04.02.2012, 12:29 Uhr | Neue Westfälische, Ralf Mischer
Dorfgemeinschaften: Gemeinsam für Gestringen
Wer hier wohnt, hat einen Vollzeit-Job
Espelkamp-Gestringen. Alle sind auf den Beinen: Die Kinder schmücken den Weihnachtsbaum, die Freiwillige Feuerwehr hat ihn aufgestellt, und die Laune ist bestens – zur Freude der Dorfgemeinschaft. Die hatte den Adventsmarkt auf dem Dorfplatz nämlich vorbereitet.
„Wir haben schon einige Feiern organisiert“, sagt Martin Lückermann (64), Vorsitzender der Dorfgemeinschaft.
Los ging es zur Jahrtausendwende. Damals feierte der Ort seinen 700. Geburtstag. Die Gestringer Vereine steckten die Köpfe zusammen – und gründeten die Dorfgemeinschaft. Die sollte die große Feier nämlich koordinieren und eine Festschrift herausgeben. Wenige Monate später feierten die Gestringer dann ihren ersten Weihnachtsmarkt auf dem Dorfplatz – eine Erfolgsgeschichte. Denn noch heute wird der Markt dort von der Dorfgemeinschaft organisiert.

„Mitglied bei uns sind die 15 Vereine – aber auch Einzelpersonen“, erläutert Lückermann. Die Dorfgemeinschaft ist für ihn „die Haube für die Vereine“. Sie koordiniert die Interessen des Dorfes und bündelt sie. Lückermann sieht sie aber auch als Ideenschmiede: „Wir sind die Werkstatt für gemeinsame Veranstaltungen im dörflichen Leben.“

Das Ergebnis dieser Arbeit: unzählige Feiern, Aktivitäten und Versammlungen im Dorf. So findet einmal im Monat ein Klönabend statt, jeweils donnerstags. Dienstags wird gemeinsam Kaffee getrunken, und freitags übt der Chor. Dazu kommen die regelmäßigen Treffen der Dorfgemeinschaft, die Termine der Sportvereine, kulturelle Veranstaltungen und noch vieles mehr. Allein die Dorfgemeinschaft organisiert regelmäßig Boßelturniere, Dorffeste und den Adventsmarkt.

Das Leben in Gestringen bietet viel, es lohnt sich, dabei zu sein, sagt Karl Friedrich Hüsemann. Er ist der Ortsheimatpfleger. „Hier gibt es eine tolle Infrastruktur und zugleich eine intakte Natur, aber auch gute Kulturangebote“, schwärmt er. Dass die Kultur im Dorf sich sehen lassen kann, haben die Gestringer auch Schwarz auf Weiß bekommen: Für die beispielhafte Kulturarbeit in der Alten Schule wurde ihr Dorf mit dem Sonderpreis der Aktion „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet. 2005 landete es zudem auf dem dritten Platz, und 2002 ergatterte es einen Sonderpreis.

Dafür, dass Gestringen so lebenswert bleibt, sorgt immer wieder die Dorfgemeinschaft. „Alle Bürger waren etwa ganz stark engagiert beim Bau des Dorfplatzes“, blickt Martin Lückermann zurück. Die Dorfgemeinschaft hatte dafür gesorgt, dass der Platz neben der alten Bahnhofsgaststätte heute der Mittelpunkt des Ortes ist. Im Zentrum plätschert ein schöner Brunnen, den Paul Gauselmann gestiftet hat. Von einem auf einen Findling stehenden, einen Schirm tragendem bronzenen Zwillingspärchen plätschert das Wasser in ein Becken aus Feldsteinen. Die wurden gemeinsam von der Dorfgemeinschaft gesammelt. „Zusammenarbeit führt zum Erfolg“, sagt Ortsheimatpfleger Hüsemann.


INFO
1.800 Einwohner

´Urkundlich erwähnt wird Gestringen bereits im Jahr 1300: Der Name taucht im Salbuch der Mindenschen Lehen auf.

´Rasant entwickelt sich der Ort ab dem Jahr 1899 weiter – damals wird der Bahnhof eröffnet. Die Bahnlinie Bünde-Bassum macht den Ort zu einem Verkehrsknotenpunkt.

´Ein Jahr später erhält Gestringen sogar eine kaiserliche Postagentur – der Ort wächst.

´Neun Jahre später, im Jahr 1909, kann der Ort seine Bedeutung als Kommunikations– und Verkehrsknotenpunkt weiter ausbauen: eine Telegraphenanstalt wird eröffnet.

´ 1956 beginnt ein Bauboom: 65 neue Wohnhäuser werden gebaut. 1966 wird das evangelische Gemeindezentrum eingeweiht.

´Im Jahr 1973 wird Gestringen ein Teil von Espelkamp.

´Heute hat der Ort etwa 1.800 Einwohner. (rtm)

Was die Jury sagt

Beim Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ bekam Gestringen im vergangenen Jahr den Sonderpreis. In der Begründung der Jury heißt es, „dass sich ein Blick in das Dorf hinein lohnt, weil dabei die Ergebnisse vielfältiger Aktivitäten erkennbar werden“. In Gestringen werde deutlich, dass das Dorf gut vernetzt sei und „dass man dort erkannt hat, wie wichtig es ist, sich selbst um bestimmte Angelegenheiten zu kümmern“. (rtm)




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