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05.05.2010, 17:18 Uhr | Detlef Beckschewe, Henning Vieker Übersicht | Drucken
SPD Espelkamp soll endlich Konzept für Gesamtschule/Einheitsschule vorlegen!
CDU antwortet auf "offenen Brief" des SPD-Fraktionsvorsitzenden / weitere Informationen zum Thema

Der Fraktionsvorsitzende der SPD Espelkamp, Reinhard Hülsmann, hat in einem "offenen Brief" auf einen schulpolitischen Artikel im Magazin der CDU Espelkamp "Die Brücke" reagiert. Es ist für uns noch immer eine Frage des politischen Stils, einen Brief auch an den Empfänger zu senden, insbesondere wenn er noch im gleichen Dorf wohnt. Derzeit haben wir leider nur aus der Presse davon erfahren.

Weitere Informationen unter diesen Links:
-    "Die Brücke" mit dem ursprünglichen Artikel
-    "offener Brief" der SPD auf ihrer Internetseite
-    Der Entwurf des Schulentwicklungsplanes für Espelkamp

Der Inhalt des Briefes ist eine Ansammlung von Halbwahrheiten, falschen Behauptungen und persönlichen Unterstellungen. Das einzig Gute ist, das Detlef Beckschewe oder alle CDU-Mitglieder nicht auch noch zu Kindermördern erklärt wurden, wie es die SPD-Spitzenkandidatin Kraft mit falschen Hinweisen auf das dreigliedrige Schulsystem und Selbstmorde getan hat.

Bei allen Schuldiskussionen mit SPD-Vertretern ist es das gleiche - sie scheinen vergessen zu haben, wer bis 2005 in NRW für über 40 Jahre regiert hat. Viele der angesprochenen Probleme sind direkte Folgen der jahrelangen Versäumnisse, auch wenn jetzt (ähnlich wie bei den Hartz - Gesetzen) in der SPD niemand mehr etwas davon wissen möchte. Die Landespolitischen Fakten zu den merkwürdigen Behauptungen in dem "offenen Brief" haben wir weiter unten auf dieser Seite eingestellt.

Richtigerwiese schreiben Sie: "Bedingt durch die demografische Entwicklung werden in den nächsten Jahren weitaus weniger Kinder in die Schule kommen als in früheren Jahren." Gleichzeitig soll eine neue Schule, die "Gesamtschule in Form einer Gemeinschaftsschule" aufgebaut werden. Wir fragen uns dazu:
Wie soll das funktionieren ohne Schulen zu schließen?

Es gibt von der SPD auch noch keine konkreten Vorschläge, über die Eltern oder Bürger abstimmen könnten. Wie soll die Gesamtschule denn ausgestaltet werden? Wie groß, welcher Standort, welches Konzept, welche Jahrgänge - Herr Hülsmann schreibt zwei Seiten, aber dazu leider kein Wort. Liegt dieses Konzept etwa verschlossen im "Giftschrank" der SPD? Weil erst dann jedem Bürger klar werden müsste, was das für Espelkamp wirklich bedeutet - Geht es etwa nicht, ohne Schulen zu schließen?

Dabei scheint bei der SPD Espelkamp noch erhebliche Unkenntnis über die Beschlüsse ihrer Landespartei vorzuliegen. Das Ziel ist " Eine Schule für Alle", das heißt das vollständige Ersetzen der bisherigen Schulen durch die Gemeinschafts- oder Einheitsschule.

Wie, Herr Hülsmann, soll diese Äußerung Ihrer Spitzenkandidatin gedeutet werden: "Es wird keine erzbischöfliche Gymnasien mehr geben". Ihr möglicher Koalitionspartner "die Linke" ist da im Wahlprogramm deutlicher:  "Schulen in privater Trägerschaft lehnen wir … ab".

Aus diesen Gründen bleibt es dabei: Eine rot und vor allem eine rot-rote-Landesregierung wird auch in Espelkamp Schulen schließen!



Kommentare zu weiteren Behauptungen im offenen Brief der SPD:

"Die Gemeinschaftsschule kann alles besser und ist viel gerechter"
Aus wissenschaftlichen Studien kann diese Behauptung nicht begründet werden - es ist leider reine Ideologie aus den 70er Jahren.

"Das dreigliedrige Schulsystem ist sozial ungerecht"
Es müsste viel eher heißen: "Das dreigliedrige Schulsystem, so wie es die SPD hier verantwortet ist sozial ungerecht". Alle Studien dazu beziehen sich auf Daten vor oder kurz nach der Regierungsübernahme der CDU im Jahr 2005. Ergebnis im Pisa Ländervergleich: NRW war das sozial ungerechteste Flächenland in Deutschland, und das als Ergebnis von 40 Jahren sozialdemokratischer Herrschaft. Und das mit einer nicht unerheblichen Zahl von Gesamtschulen in NRW - wenn es jetzt stimmen würde, dass solche Schulen bei sozialer Ausgewogenheit besser sind, warum sind gerade die Länder, die auf ein striktes dreigliedriges Schulsystem setzen in diesem Punkt viel besser?

Lehrerstellen / kleinere Klassen:
Es gibt (auch von der SPD unbestritten) aktuell 8000 Lehrerstellen mehr als 2005, von diesen sind allerdings (leider) etwa 1000 noch nicht besetzt, da kaum ausgebildete Lehrer verfügbar sind. Die Ausbildung zum Lehrer dauert etwa 5 Jahre, damals war das Ziel der SPD der Abbau von 16.000 Lehrerstellen. Mit dieser Aussicht haben sich viele junge Menschen gegen den Lehrerberuf entschieden.

Unterrichtsausfall: ist halbiert seit 2005. Jetzt kann man kritisieren, dass das noch immer zu viel ist. Deswegen wird die CDU weiter an diesem Punkt arbeiten.
Zitat "Die CDU hat Ihr Wahlversprechen gebrochen, kleinere Klassen zu schaffen."
Nur eine Zahl: Schüler-Lehrer-Relation (=Anzahl Schüler pro Lehrer in NRW)
2005: 18,59
2009: 17,06

Umfrageergebnisse
Zu fast jeder Meinung wird sich eine befürwortende Umfrage finden oder erstellen lassen, von daher ist der wirkliche Informationsgehalt eher gering. Hier einmal die Hauptergebnisse einer von Forsa im September 2009 erstellten Umfrage:
  • Nur eine Minderheit von 31 Prozent aller Bundesbürger befürwortet die Abschaffung des bisherigen Schulsystems und die Einführung einer Einheitsschule.
  • Nur eine Minderheit von 29 Prozent glaubt auch, dass die Leistungsfähigkeit des deutschen Schulsystems durch die Einheitsschule verbessert würde. Die klare Mehrheit von 65 Prozent glaubt dies nicht.

Abitur nach 12 Jahren
Jetzt sollte nicht vergessen werden, dass das Abi mit 12 Jahren genau wie das Zentralabitur (richtigerweise) noch von der ehemaligen rot-grünen Landesregierung eingeführt wurde. Nach den Vorstellungen der SPD sollten nicht 9 Schuljahre auf 8 Zeitjahre verteilt werden wie im aktuellen System, sondern die letzten 3 Schuljahre auf 2 Jahre. Die Umstellungsprobleme davon wären wohl eine riesige Katastrophe geworden.
In fast allen anderen Bundesländern wird auf das Abi mit 12 Jahren gewechselt - nur die SPD hier will die Uhr nun wieder zurückdrehen.

Und was bei allen Vergleichsstudien deutlich wurde:
Am Ende sind die Schulsysteme am besten, die nicht ständig tiefgehend verändert wurden. Die SPD plant hier eine komplette Umstellung unseres Schulsystems - das bedeutet 10 Jahre Chaos für alle unsere Schüler!

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